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COVID-19 in Deutschland: Aktuelles

Welche Entwicklung der Infektionszahlen ist zu erwarten?

[Letzte Änderung: 27.1.2022]

 

Seit KW 3/2022 ist die Entwicklung der COVID-19-Infektionszahlen durch die sich schnell ausbreitende Omikronvariante dominiert. Das RKI veröffentlichte eine arbeitstäglich aktualisierte Übersicht gemeldeter Omikron-Fälle[1]  letztmalig am 21.2.2022, "da Omikron seit KW 2/2022 die klar dominierende Variante ist". 

Tag 7 Tage-Fallzahl

Relative Änderung zu Wert der Vorwoche

9.1.2022 301.638 +63%
16.1.2022 428.850 +42%
23.1.2022 670.921 +56%
24.1.2022 698.744 +59%
25.1.2022 743.684 +62%
26.1.2022 782.173 +61%
27.1.2022 846.025 +60%

Da in Deutschland in KW 4/2022 Begrenzungen der PCR-Tests durch die  Laborkapazitäten erreicht wurden, ist zukünftig die Aussagekraft der vom RKI gemeldeten laborbestätigten COVID-10-Fälle eingeschränkt. Es ist damit zu rechnen, dass die durch Laboruntersuchungen bestätigten Fälle langsamer als die tatsächlichen Infektionszahlen ansteigen. Eine Reservierung der PCR-Test für bestimmte Berufs-, und Bevölkerungsgruppen kann zusätzlich die Positivenrate der durchgeführten Tests systematisch verändern.

Ausbreitungsgeschwindigkeit der Omikron-Infektionen

Die Ausbreitungsgeschwindigkiet der Omikron-Infektionen ist im Januer 2022 erheblich langsamer, als ursprüglich erwartet und in anderen Ländern beobachtet wurde.

"Die in Deutschland angenommene Verdopplungszeit der Omikron-Inzidenz liegt aktuell im Bereich von etwa 2-4 Tagen. Durch die derzeitig gültigen Maßnahmen ist diese Verdoppelungszeit im Vergleich zu England zwar etwas langsamer, aber deutlich schneller als bei allen bisherigen Varianten."[4, S. 1]

Eine Verdoppelungszeit von zwei Tagen bedeutet exponentielles Wachstum mit einer stetigen Wachstumsrate  pro Tag von 34,66% und einem Wachstumsfaktor pro Woche (einem wöchentlichen Vervielfachungsfaktor) von 11,32. Eine Verdoppelungszeit von vier Tagen bedeutet exponentielles Wachstum mit einer stetigen Wachstumsrate von 17,33% pro Tag und einem Wachstumsfaktor pro Woche von 3,36.

"Unter den derzeitigen Bedingungen liegt die Verdopplungszeit in Deutschland bei etwa drei Tagen."[5, S. 1]

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Welcher Zusammenhang besteht zwischen Verdoppelungszeit und wöchentlicher Vervielfachung?

[Letzte Änderung: 26.12.2021]

Die Ausbreitung von Infektionen in einer Phase exponentiellen Wachstums wird je nach Quelle unterschiedlich charakterisiert:

  • durch die Verdoppelungszeit,
  • durch einen Wachstumsfaktor, der sich auf einen Tag oder auf eine Woche bezieht, 
  • durch eine diskrete Wachstumsrate, die sich auf einen Tages- oder Wochenzeitraum bezieht, oder
  • durch eine stetige Wachtumsraten, die sich auf einen Tages- oder Wochenzeitraum bezieht.
Verdoppelungszeit  Wachstumsfaktor proTag Wachstumsfaktor pro Woche Diskrete Wachstumsrate pro Tag

Diskrete Wachstumsrate pro Woche

Stetige Wachstumsrate pro Tag

Stetige  Wachstumsrate pro Woche

1 Tag 2 128 100,00% 12.700,00% 69,31% 485,20%
2 Tage 1,41 11,32 41,14% 1.031,37% 34,66% 242,60%
3 Tage 1,26 5,05 25,99% 403,97% 23,10% 161,73%
4 Tage 1,19 3,36 18,92% 236,36% 17,33% 121,30%
5 Tage 1,15 2,64 14,87% 163,90% 13,86% 97,04%
6 Tage 1,12 2,24 12,25% 124,49% 11,55% 80,88%
7 Tage 1,10 2 10,41% 100,00% 9,90% 69,31%

Zwischen den sieben Kennzahlen Verdoppelungszeit, Wachstumsfaktor pro Tag oder Woche, diskrete Wachstumsrate pro Tag oder Woche, stetige Wachstumsrate pro Tag oder Woche bestehen folgende Zusammenhänge:

Wenn eine Größe exponentiell wächst und die Verdoppelungszeit N Tage ist, dann ist

  • ft = 21/N der Wachstumsfaktor pro Tag,
  • fw = 27/N der Wachstumsfaktor pro Woche,
  • dt = ft - 1 die diskrete Wachstumsrate pro Tag,
  • dw = fw - 1 die diskrete Wachstumsrate pro Woche,
  • st = ln(2)/N die stetige Wachstumsrate pro Tag und
  • sw = 7ln(2)/N die stetige Wachstumsrate pro Woche.

Zwischen dem Wert x0 an einem bestimmten Tag und dem Wert x1 des Folgetages bestehen für eine expoentiell wachsende Größe die Zusammenhänge

x1 =  ft x0 =  (1 + dt) x0 = exp(st)x .

Zwischen dem Wert x0 an einem bestimmten Tag und dem Wert x7 nach sieben Tagen bestehen für eine expoentiell wachsende Größe die Zusammenhänge

x7 =  fw x0 =  (1 + dw) x0 = exp(sw)x  ft7x0 =  (1 + dt)7x0 = exp(7st)x .

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Welche Virusvarianten sind in Deutschland relevant?

[Letzte Änderung: 6.1.2022]

 

Durch Mutationen entstehen neue Varianten des SARS-COV-2-Virus. Über diese berichtet das RKI in den Wochenberichten[1] und auf der Seite Übersicht zu besorgniserregenden SARS-CoV-2-Virusvarianten (VOC)[2].

 

Omikron-Variante

  • Die Omikron-Variante (Pango-Nomenklatur B.1.1.529, englische Schreibweise Omicron) wurde am 26.11.2021 von der WHO als besorgniserregende Variante (variant of concern) klassifiziert.[3]
  • Der Wikipedia-Artikel SARS-CoV-2-Variante Omikron wird kontinuierlich aktualisiert.[4]
  • In Kalenderwoche 2/2022 ist der Anteil der Omikron-Variante 89,3% mit zunehmender Tendenz.[1, Tab.8] Die Omikron-Variante bestimmt eine fünfte Infektionswelle in Deutschland, die mit steigenden 7-Tage-Inzidenzen seit dem 31.12.2021 beginnt.  
  • Die Omikron-Variante hat im Vergleich zur Delta-Variante eine schnellere Ausbreitung durch eine gesteigerte Übertragbarkeit (Kontagiosität) und eine stärkere Immunflucht, d. h. ein Unterlaufen eines bestehenden Immunschutzes.

"Sie [die Omikron-Variante]  infiziert in kürzester Zeit deutlich mehr Menschen und bezieht auch Genesene und Geimpfte stärker in das Infektionsgeschehen ein. Dies kann zu einer explosionsartigen Verbreitung führen: In Dänemark, Norwegen, den Niederlanden und Großbritannien wird bereits eine  nie dagewesenen Verbreitungsgeschwindigkeit mit Omikron-Verdopplungszeiten von etwa 2-3 Tagen beobachtet."[5, S. 1] 

"Unter den derzeitigen Bedingungen liegt die Verdopplungszeit in Deutschland bei etwa drei Tagen."[6, S. 1] 

"Erste Studienergebnisse zeigen, dass der Impfschutz gegen die Omikron-Variante rasch nachlässt und auch immune Personen symptomatisch erkranken. Der Schutz vor schwerer Erkrankung bleibt wahrscheinlich teilweise erhalten."[5, S. 1]

  • Für die Omikron-Variante wurde früh ein milderer Krankheitsverlauf im Vergleich zur Delta-Variante vermutet. Die Datenlage in Deutschland gibt deutliche Hinweise auf einen auch in Deutschland etwa halbierten Anteil der Hospitalisierungen bei Omikron-Infektionen und damit einen in diesem Sinn milderen Krankheitsverlauf (> Wie häufig werden COVID-19-Fälle hospitalisiert?).

 

 

Delta-Variante

Die Delta-Variante (Pango-Nomenklatur B.1.617.2) hatte in Deutschland von Mitte August 2021 bis Mitte Dezember 2021 einen Anteil von über 99% an den COVID-19-Fällen und bestimmte die vierte Infektionswelle.[1] Seither nimmt der Anteil der Delta-Variante schnell ab. In Kalenderwoche 2/2022 ist der Anteil der Delta-Variante 10%.[1, Tab. 8]  

 

Quellen

[1] RKI: Wochenberichte

[2] RKI: Übersicht zu besorgniserregenden SARS-CoV-2-Virusvarianten (VOC)

[3] WHO: Classification of Omicron (B.1.1.529): SARS-CoV-2 Variant of Concern

[4] Wikipedia: SARS-CoV2-Variante Omikron

[5] Expertenrat der Bundesregierung zu COVID-19: Einordnung und Konsequenzen der Omikronwelle (Erste Stellungnahme vom 19.12.2021)

[6] RKI: ControlCOVID – Strategie-Ergänzung zur Bewältigung der beginnenden pandemischen Welle durch die SARS-CoV-2-Variante Omikron (Stand 21.12.2021)

[7] N. Ferguson et al. (2021): Hospitalisation for omicron cases in England

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Welche Maßnahmen zur Kontaktreduzierung sind erforderlich?

[Letzte Änderung: 24.1.2022]

Stellungnahmen des Expertenrates der Bundesregierung zu COVID-19 

Stellungnahme des RKI vom 21.12. 2021 ControlCOVID – Strategie-Ergänzung zur Bewältigung der beginnenden pandemischen Welle durch die SARS-CoV-2-Variante Omikron

 

Stellungnahme der Leopoldina - Nationale Akademie der Wissenschaften vom 27.11.2021 Coronavirus-Pandemie: Klare und konsequente Maßnahmen - sofort!

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Welche Maßnahmen zur Kontaktreduzierung wurden beschlossen?

[Letzte Änderung: 25.1.2022]

 

Beschluss der "Videoschaltkonferenz des Bundeskanzlers mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder am 24. Januar 2022"

 

Es werden keine zusätzliche Maßnahmen zur Kontaktreduzierung beschlossen.

"Der Bundeskanzler und die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder sind zuversichtlich, dass die weitere Fortsetzung der aktuell bestehenden Maßnahmen die realistische Chance bietet, dass Deutschland gut durch die Omikron-Welle kommt."

Ein weiteres Treffen des Bundeskanzlers mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs ist für den 16. Februar 2022 geplant.

 

Beschluss der "Videoschaltkonferenz des Bundeskanzlers mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder am 7. Januar 2022"

 

Es werden geringfügige Veränderungen beschlossen, die jedenfalls nicht von der gemeinsamen Absicht getragen sind, die Omikron-Welle durch Kontaktbeschränkungen frühzeitig zu brechen oder stark zu verzögern. Vielmehr scheint es Konsens zu sein, eher abwartend und beobachtend zunächst eine starke Zunahme der Omikron-Infektionen in Kauf zu nehmen.

 

Beschluss der "Videoschaltkonferenz des Bundeskanzlers mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder am 21. Dezember 2021"

 

Es wurden einige Beschränkungen beschlossen, die zum 28. Dezember 2021 wirksam werden sollen, aber nicht annähernd das vom RKI in der Stellungnahme vom 21.12.2021 geforderte Niveau erreichen.  Auch der vom Expertenrat in seiner Stellungnahme vom 19.12.2021 gesehene "Handlungsbedarf bereits für die kommenden Tage" spiegelt sich nicht im Beschluss wieder. In einer Protokollerklärung des Landes Baden-Württemberg und des Freistaats Sachsen werden abweichende Positionen dargelegt.

 

Beschluss der "Videoschaltkonferenz der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder am 18. November 2021"

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Welche Maßnahmen zur Kontaktreduzierung sind gesetzlich nicht erlaubt?

[Letzte Änderung: 11.12.2021]

 

Änderung des Infektionsschutzgesetzes im Dezember 2021

Durch eine erneute Änderung des Infektionschutzgesetzes (IfSG) im Dezember 2021 wurde der Katalog der nicht zugelassenen Schutzmaßnahmen präzisiert und reduziert. Der aktualisierte Katalog der in § 28a Absatz 8 Satz 1 Nr. 1-7 IfSG ausgeschlossenen Schutzmaßnahmen ist:

  1. die Anordnung von Ausgangsbeschränkungen,  
  2. die Untersagung der Sportausübung und die Schließung von Sporteinrichtungen,
  3. die Untersagung von Veranstaltungen oder Aufzügen im Sinne von Artikel 8 des Grundgesetzes und von religiösen oder weltanschaulichen Zusammenkünften,  
  4. die Untersagung von Reisen, 
  5. die Untersagung von Übernachtungsangeboten, 
  6. die Schließung von Betrieben, Gewerben, Einzel- oder Großhandel, sofern es sich nicht um gastronomische Einrichtungen, Freizeit- oder Kultureinrichtungen oder um Messen oder Kongresse handelt,
  7. die Schließung von Gemeinschaftseinrichtungen, in denen überwiegend minderjährige Personen betreut werden; dazu gehören insbesondere: ​​Kindertageseinrichtungen und Kinderhorte, Einrichtungen der nach § 43 Absatz 1 des Achten Buches Sozialgesetzbuch erlaubnispflichtigen Kindertagespflege, Schulen und sonstige Ausbildungseinrichtungen, Heime und Ferienlager. 

Änderung des Infektionsschutzgesetzes im November 2021

Durch eine Änderung des Infektionschutzgesetzes (IfSG) im November 2021 und die gleichzeitige Nichtverlängerung der "Feststellung einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite" gemäß § 5 IfSG wurden in § 28a Absatz 8 Satz 1 Nr. 1-5 IfSG die folgenden Schutzmaßnahmen (Maßnahmen zur Kontaktreduzierung) ausdrücklich nicht zugelassen, auch dann, wenn sich ein Landesparlament dafür entscheiden wollte:

  1. die Anordnung von Ausgangsbeschränkungen,  
  2. die Untersagung der Sportausübung,
  3. die Untersagung von Veranstaltungen, Ansammlungen, Aufzügen, Versammlungen sowie religiösen oder weltanschaulichen Zusammenkünften,  
  4. die Untersagung und Beschränkung von Reisen; dies gilt insbesondere für touristische Reisen, die Untersagung oder Beschränkung des Betriebs von gastronomischen Einrichtungen, die Schließung oder Beschränkung von Betrieben, Gewerben, Einzel- oder Großhandel,
  5. die Schließung von Gemeinschaftseinrichtungen, in denen überwiegend minderjährige Personen betreut werden; dazu gehören insbesondere: ​Kindertageseinrichtungen und Kinderhorte, Einrichtungen der nach § 43 Absatz 1 des Achten Buches Sozialgesetzbuch erlaubnispflichtigen Kindertagespflege, Schulen und sonstige Ausbildungseinrichtungen, Heime und Ferienlager. 

Die Leopodina - Nationale Akademie der Wissenschaften kommentiert den dadurch geschaffenen Zustand in der 10. Ad-hoc-Stellungnahme vom 27. November 2021 mit dem Titel "Coronavirus-Pandemie: Klare und konsequente Maßnahmen – sofort!" so:

"Die jüngste Novellierung des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) und das Auslaufen der „epidemischen Lage nationaler Tragweite“ haben erhebliche rechtliche Änderungen für die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung bewirkt. Problematisch ist dabei, dass auch bei extrem hohen Inzidenzwerten und Hospitalisierungsraten bestimmte generelle Maßnahmen nicht mehr ergriffen werden dürfen. Dies gilt für die flächendeckende Untersagung von Veranstaltungen, Ansammlungen, Aufzügen, Versammlungen sowie religiösen oder weltanschaulichen Zusammenkünften, Reisen, Übernachtungsangeboten (Hotels), Gastronomie sowie von Betrieben, Gewerben, Einzel- oder Großhandel und anderem."

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