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COVID-19: Intensivmedizinische Behandlung

Wie häufig werden COVID-19-Fälle intensivmedizinisch behandelt?

[Letzte Änderung: 26.1.2022]

Aktuell führt etwa jeder 286. COVID-19-Fall zu einer intensivmedizinischen Behandlung.

 

ITS-Erstaufnahmen

Die Deutsche interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) erfasst "ITS-Erstaufnahmen von COVID-19-Fällen" (ITS = Intensivstation) im so genannten DIVI-Intensivregister und veröffentlicht eine entsprechende Zeitreihe[1] der ITS-Erstaufnahmen von Erwachsenen. Diese Zeitreihe wird täglich aktualisiert, wobei die Erstaufnahmen eines Tages am frühen Nachmittag des folgenden Tags berichtet werden. 

 

COVID-19-Fälle und COVID-19-bedingte ITS-Erstaufnahmen

In der folgenden Tabelle sind 7-Tage-Fallzahlen laborbestätigter COVID-19-Infektionen (Inzidenz) und ITS-Erstaufnahmezahlen von COVID-19-Fällen für den entsprechenden 7-Tage-Zeitraum (ITSE) gegenübergestellt.

Datum Inzidenz[2] ITSE[1] ITSE / Inzidenz ITSE / Inzidenz in Vorwoche ITSE / Inzidenz in Vorvorwoche
25.1.2022 698.744 (+59%) 1.117 (+10%) 0,15% 0,24% 0,35%
21.1.2022 587.322 (+50%) 993 (-9%) 0,17% 0,25% 0,40%
14.1.2022 391.295 (+55%) 1.093 (-22%) 0,28% 0,43% 0,61%
7.1.2022 252.324 (+41%) 1.396 (-6%) 0,55% 0,78% 0,63%
31.12.2021 178.665 (-19%) 1.485 (-15%) 0,83% 0,67% 0,54%
24.12.2021 221.067 (-20%) 1.743 (-19%) 0,78% 0,63% 0,51%
17.12.2021 275.912 (-20%) 2.156 (-3%) 0,78% 0,63% 0,59%
10.12.2021 344.015 (-6%) 2.201 (-4%) 0,64% 0,60% 0,60%
3.12.2021 367.597 (+1%) 2.287 (-2%) 0,62% 0,63% 0,81%
26.11.2021 364.415 (+29%) 2.345 (+19%) 0,64% 0,83% 1,07%
19.11.2021 283.277 (+29%) 1.967 (+18%) 0,69% 0,90% 1,39%
12.11.2021 219.272 (+55%) 1.670 (+33%) 0,76% 1,18% 1,44%
5.11.2021 141.283 (+22%) 1.258 (+27%) 0,89% 1,09% 1,59%
  • Die zweite Spalte der Tabelle enthält  die jeweils tagesaktuell berichtete 7-Tage-Fallzahl aus den Situationsberichten des RKI[2] und in Klammern die prozentuale Änderung im Vergleich zur Vorwoche.
  • Die dritte Spalte enthält die kumulierten ITS-Erstaufnahmen von COVID-19-Patienten der jeweils letzten sieben Tage aus der entsprechenden Zeitreihe des DIVI-Intensivregisters[1] und in Klammern die prozentuale Änderung im Vergleich zum Wert 7 Tage zuvor.
  • In der vierten Spalte ist die Zahl der ITS-Erstaufnahmen innerhalb von 7 Tagen zur 7-Tage-Fallzahl derselben Woche ins Verhältnis gesetzt.
  • In der fünften Spalte ist die Zahl der ITS-Erstaufnahmen innerhalb von 7 Tagen zur 7-Tage-Fallzahl der Vorwoche ins Verhältnis gesetzt.
  • In der sechsten Spalte ist die Zahl der ITS-Erstaufnahmen innerhalb von 7 Tagen zur 7-Tage-Fallzahl der Vorvorwoche ins Verhältnis gesetzt.

Ein Vergleich der prozentualen Änderungen in der zweiten und dritten Spalte zeigt, dass während der vierten Welle Änderungen der Inzidenz nach ein bis zwei Wochen, teils schon in derselben Woche, gleichgerichteten Änderungen der ITSE-Zahlen führen. Dagegen scheinen die aktuellen ITSE-Zahlen mit deutlich größerer Verzögerung auf eine Änderung der Inzidenz zu reagieren. Dies kann auf Eigenschaften der Omikroninfektionen zurückgehen, die zunehmend das Infektionsgeschehen bestimmen.

 

ITS-Quote

Die Quote der COVID-19-Fälle, die in eine Intensivstation aufgenommen werden, soll im Folgenden kurz ITS-Quote genannt werden. Diese Quote kann durch den oben berechneten  Proportionalitätsfaktor zwischen ITS-Erstaufnahmen von COVID-19-Patienten  und COVID-19-Fällen der Vorvorwoche geschätzt werden. Eine ITS-Quote von 0,35% bedeutet, dass aktuell etwa jeder 285. COVID-19-Fall zu einer intensivmedizinischen Behandlung führt.

 

Die ITS-Quote ist mit diesen Daten nicht exakt errechenbar, da sich ITS-Erstaufnahmen auch auf frühere oder spätere als in der Vorvorwoche erfasste COVID-19-Fälle Woche beziehen können. Da die Daten für die Berechnung der ITS-Quote aus zwei verschiedenen Quellen (den DIVI-Daten für die ITS-Erstaufnahmen und den RKI-Daten für die Fallzahlen)  stammen, ist eine genauere Berechnung nicht möglich. Um die ITS-Quote exakt zu bestimmen, müssten - analog zur Bestimmung der Hospitalisierungsquote durch das RKI - den COVID-Fällen entsprechende spätere ITS-Erstaufnahmen zugeordnet werden können.

 

Mit steigendem Anteil der Geimpften an den COVID-19-Fällen ist ein Sinken der ITS-Quote zu erwarten. Andererseits kann eine Erhöhung des Durchschnittsalters der COVID-19-Fälle zu einer steigenden ITS-Quote führen, da die Schwere eines COVID-19-Verlaufs stark altersabhängig ist. 

 

Quellen

[1] Zeitreihe "Anzahl gemeldeter ITS-Erstaufnahmen von COVID-19-Fällen, Deutschland, Erwachsenen-Intensivstationen" des DIVI-Intensivregisters

[2] Situationsberichte des RKI 

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Was bedeutet die aktuelle Infektionslage für die intensivmedizinische Versorgung? 

[Letzte Änderung: 25.1.2022]

  • Steigende Fallzahlen führen zu einer steigenden Belastung der​ intensivmedizinischen Versorgung durch COVID-19-Fälle.

Szenarien für ITS-Erstaufnahmen

Basierend auf dem Zusammenhang zwischen der 7-Tage-Fallzahl und der Anzahl der ITS-Erstaufnahmen (ITS=Intensivstation) können Szenarien für die Entwicklung der COVID-19-bezogenen ITS-Erstaufnahmen der nächsten 14 Tage gebildet werden. Die folgenden Szenarien basieren auf der 7-Tage-Fallzahl und der Größe des Faktors, der die Proportionalität zwischen der Zahl der ITS-Erstaufnahmen  in einem 7-Tage-Zeitraum und der 7-Tage-Fallzahl in der Vorvorwoche beschreibt. Dieser Proportionalitätsfaktor hatte in den letzten sechs Wochen Werte zwischen 0,34% und 0,63% und ist aktuell 0,34%. 

Szenario 7-Tage-Fallzahl am 26.1.2022[1] Proportionalitäts­faktor

Zu erwartende ITS-Erstaufnahmen 
(4.-11.2.2022)

A 782.173 0,30% 2.348
B 782.173 0,35%

2.526

C 782.173 0,40% 3.129

Auslastung der ITS-Kapazität bis zum 11.2.2022

Die Bedeutung dieser Zahlen für die intensimedizinische Versorgung ergibt sich, wenn man sie mit der aktuellen Anzahl intensivmedizinisch behandelter COVID-19-Fälle und mit den freien Kapazitäten vergleicht:

  • Die Anzahl gemeldeter intensivmedizinisch behandelter COVID-19-Fälle war 2.333 am 26.1.2022.[2] Die bisher höchste Zahl intensivmedizinisch behandelter COVID-19-Fälle war 5.745 am 3.1.2021.[2] 
  • Das DIVI-Intensivregister meldet am 26.1.2022 1.399 freie COVID-spezifische Intensivbetten (Erwachsenenkapazität).[4]
  • Die Auslastung durch COVID-19-Fälle erhöht sich durch Erstaufnahmen und vermindert sich durch frei werdende Betten. Bei einer unterstellten durchschnittlichen 14-tägigen Aufenthaltszeit kann die Zahl der frei werdenden Betten durch die 14 Tage zuvor aufgenommenen COVID-19-Fälle abgeschätzt werden. Dies waren etwa 1.100 COVID-19-bedingte ITS-Erstaufnahmen.[3]
  • In allen Szenarien liegt die Anzahl der ITS-Erstaufnahmen deutlich über der Anzahl frei werdender Betten, so dass sich eine zunehmende Auslastung ergibt. Im mittleren Szenario B ist die freie Kapazität COVID-spezifischer Betten ausgeschöpft, im Szenario C entstünde ein Fehlbedarf von etwa 600 COVID-spezifischen Betten.
  • Zu berücksichtigen ist, dass die freien Kapazitäten auf bundesweit 1.250 Standorte verteilt sind, so dass diese Abschätzungen keine regionalen Engpässe berücksichtigen.
  • Die in den Szenarien unterstellten Proportionalitätsfaktoren sind an den Werten vergangener Wochen orientiert. Da die Hospitalisierungsquote mit zunehmenden Omikronzahlen eine deutlich sinkende Tendenz hat (siehe dazu: Wie häufig werden COVID-19-Fälle hospitalisiert?), ist auch ein sinkender Anteil der ITS-Erstaufnahmen an den COVID-19-Fällen wahrscheinlich. Dies würde Szenario A oder sogar günstigere Entwicklungen stützen.

 

Dynamische Veränderung des ITS-Verhältnisses

Während sich bei analogen Szenario-Berechungen Mitte November noch eine starke Belastung des ITS-Systems durch schnell steigende Erstaufnahmezahlen von COVID-19-Fällen abzeichnete, war die Situation bezüglich der Belegung von ITS-Betten durch COVID-19-Fälle Anfang Dezember 2021 weniger dramatisch als erwartet. Dafür ursächlich ist ein starkes Sinken des ITS-Verhältnisses, d. h. des Verhältnisses zwischen  ITS-Erstaufnahmen von COVID-19-Fällen und COVID-19-Fällen. Dieses Verhältnis ist in der Zeit von Mitte Oktober bis Anfang Dezember 2021, in der die 7-Tage-Fallzahl von 60.000 auf 370.000 stieg, von 1,04% auf 0,60% gesunken, dann mit sinkender 7-Tage-Fallzahl wieder gestiegen und mit steigender Fallzahl wieder gesunken. Diese Veränderungen können auf eine veränderte Zusammensetzung der COVID-19-Fälle bezüglich  der Schwere des Verlaufs oder auf bewußte oder unbewußte Reaktionen des Gesundheitssystems zurückgehen. Eine mögliche Ursache ist auch, dass in Phasen stark steigender Fallzahlen ein höherere Anteil von Fällen mit leichtem Verlauf entdeckt und gemeldet wird. Aus der Variabilität dieser Quote ergibt sich, dass längerfristige Szenarien mit konstantem Proportionalitätsfaktor nicht sinnvoll sind.

 

Modellgestützte Szenarios

Es sind kompliziertere Berechnungen mit Berücksichtigung verschiedener Altersklassen und einer Modellierung unterschiedlicher regionaler Impfquoten und deren Veränderung möglich. Dies ist vor allem für längerfristige Prognosen erforderlich. Eine solche Modellierung[5] stützt die Proportionalität zwischen Inzidenzen und ITS-Erstaufnahmen und projizierte im August 2021 die Situation im November 2021. Die Kombination der 7-Tage-Inzidenz 340,7[1] mit 3 491 intensivmedizinisch behandelten COVID-19-Fällen am 19.11.2021[2] entspricht etwa dem "pessimistischen Szenario" bezüglich der Impfquoten bei einem Impfschutz (Wirksamkeit) von 70%.[6, Abb. S1]

 

Quellen

[1] COVID-19-Dashboard des RKI (täglich aktualisiert)

[2] Zeitreihe "Anzahl gemeldeter intensivmedizinisch behandelter COVID-19-Fälle, Deutschland, Erwachsenen-Intensivstationen" des DIVI-Intensivregisters

[3] Zeitreihe "Anzahl gemeldeter ITS-Erstaufnahmen von COVID-19-Fällen, Deutschland, Erwachsenen-Intensivstationen" des DIVI-Intensivregisters

[4] Ländertabelle "Erwachsenenkapazitäten, Alle Versorgungsgrade" des DIVI-Intensivregisters, Spalte "Davon COVID-spezifische Intensivbetten aktuell frei"

[5] A. Schuppert et al. (2021): Intensivbettenbedarf für COVID-19 im Herbst/Winter 2021. Simulation unterschiedlicher Szenarien unter Berücksichtigung von Inzidenzen und Impfquote, Med Klin Intensivmed Notfmed, https://doi.org/10.1007/s00063-021-00862-9

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