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Letzte Änderung: 13. Februar 2024

Wie häufig ist COVID-19 als Todesursache im Vergleich zu anderen Todesursachen?

Bezogen auf die Anzahl der Todesfälle ist seit 2020 COVID-19 die mit großem Abstand für die Gesamtbevölkerung gefährlichste Virusinfektion. Zur Einschätzung der Größenordnung: in Deutschland sterben jährlich etwas mehr als eine Million Menschen. 

Jahr Registrierte Todesfälle durch
COVID-19  Virusgrippe Virushepatitis Tuberkulose AIDS Meningitis
2020 40.000 1.307 523 275 272 102
2021 72.000 38 511 267 218 101
2022 52.000 1.741 506 286 264 138
2023

19.000

         
2024 17.000*          

Quelle für 2020-2022: Statistisches Bundesamt, Todesursachenstatistik

Quelle für 2023-2024: RKI, COVID-19-Todesfälle in Deutschland

 * Die 2.266 Todesfälle in KW 01-07/2024 wurden auf ein Jahr hochgerechnet.

 

Eine größenordnungsmäßige Gleichsetzung mit der Virusgrippe ist für die Jahre 2020 bis 2022 abwegig, allerdings gab es 2017/18 eine Grippewelle mit vom RKI geschätzten 25.000 Todesfällen, von denen allerdings nur 1.674 durch Labortest bestätigt waren.

Anzahl der Todesfälle im Jahr  Verschiedene Todesursachen
2020 2021  2022
340.000 340.000 360.000 Herz-Kreislauf-Erkrankungen
230.000 230.000  230.000 Krebs (bösartige Neubildungen)
60.000 60.000 69.000

Psychische Störungen, Krankheiten des Nervensystems

61.000 57.000 68.000

Krankheiten des Atmungssystems

43.000 44.000 46.000

Krankheiten des Verdauungssystems

36.000 38.000 41.000

Stoffwechselkrankheiten

25.000 26.000 29.000 Krankheiten des Urogenitalsystems
18.000 19.000 20.000 Krankheiten der Niere
17.000 18.000  20.000

Stürze

9.000 9.000 10.000 Selbstmord
3.000 2.900 3.100 Transportmittelunfälle
1.200

1.200 

1.400

Vergiftung (Unfall)

371 392 444 Ertrinken
364 314 331 Tätlicher Angriff
336 321 333 Rauch, Feuer, Flammen
102 101 138 Meningitis
985.572 1.023.687  1.066.341 Insgesamt

Quelle: Statistisches Bundesamt, Todesursachenstatistik

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[Letzte Änderung: 19. Februar 2024]

Was ist die COVID-19-Infektionssterblichkeit und wie hoch ist sie?

Die COVID-19-Infektionssterblichkeit ist die Zahl der COVID-19-Todesfälle im Verhältnis zu den COVID-19-Infektionen im selben Zeitraum. Die Infektionssterblichkeit heißt auch Fall-Verstorbenen-Anteil.

 

Die COVID-19-Infektionssterblichkeit  ist ein Konzept der Letalität, bei dem die Zahl der an einer Erkrankung Gestorbenen zur Zahl der Erkrankten (den Fällen) in Bezug gesetzt wird. Im Unterschied dazu setzt das Konzept der Mortalität die Zahl der an einer Erkrankung Gestorbenen zur Zahl der betroffenen Bevölkerung (Fälle und Nicht-Fälle) in Beziehung.

 

Die COVID-19-Infektionssterblichkeit für den Zeitraum vom 9. März 2020, an dem die ersten beiden COVID-19-Todesfälle registriert wurden, bis zur Kalenderwoche 06/2024 ist 0,47 % (182.375 Todesfälle auf 38.817.958 COVID-19-Fälle).

 

Bei der COVID-19-Infektionssterblichkeit gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Jahren.

 

Jahr Fälle Todesfälle Infektionssterblichkeit
2020 1.719.737 33.071 1,92 % (1 von 52)
2021 5.430.685 78.854 1,45 % (1 von 69)
2022 30.219.443 49.540 0,16 % (1 von 625)
2023 1.395.792 18.644 1,34 % (1 von 75)
2024 (KW 01-07) 52.301 2.266 4,33 % (1 von 23)

RKI: COVID-19-Todesfälle in Deutschland

 

Die im Vergleich zu den anderen Jahren niedrige COVID-19-Infektionssterblichkeit im Jahr 2022 ist auf einen hohen Anteil jüngerer Menschen unter den COVID-19-Fällen in der Frühjahrswelle des Jahres 2022 zurückzuführen. Dadurch ist der über die gesamte Zeitspanne berechnete Wert 0,47 % nicht falsch, aber für keinen der vier Jahreszeiträume typisch.

 

Formal kann der Wert 0,47 % als gewogener arithmetischer Mittelwert der Infektionssterblichkeiten in den einzelnen Jahren dargestellt werden, wobei die Gewichtung durch die Fälle der einzelnen Jahre erfolgt:

   (n0/n) 1,92 % + (n1/n1,45 % + (n2/n0,16 % + (n3/n1,34 % + (n4/n) 4,33 % = 0,47 %

mit

   nn0 + n1 + n2 + n3 + n4

In dieser Formel bezeichnen n0n1, ..., n4 die Anzahl der Fälle in den Jahren 2020, 2021, ..., 2024.

 

Die seit dem Jahr 2022 öfters publizierte Äußerung "Die COVID-19-Infektionssterblichkeit liegt inzwischen deutlich unter 1 %" ist eine unzulässige Verkürzung des Sachverhaltes. Weder ist eine Tendenz zu einer sinkenden COVID-19-Infektionssterblichkeit zu erkennen, noch liegt in den letzten zwei Jahren ein Wert vor, der deutlich unter 1 % liegt. 

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[Letzte Änderung: 8. Dezember 2021]

COVID-19-Mortalität: Unterschiede zwischen den Bundesländern

Stefan Huschens: Unterschiede der COVID-19-Mortalität zwischen den deutschen Bundesländern [Version vom 8.9.2021]
Es gibt eine aktualisierte Version vom 8. Dezember 2021.
SH_C19MBL_08_09_2021.pdf
PDF-Dokument [270.8 KB]
Stefan Huschens: Unterschiede der COVID-19-Mortalität zwischen den deutschen Bundesländern - Aktualisierung vom Dezember 2021
Zwischen den deutschen Bundesländern bestehen gravierende Unterschiede bezüglich der COVID-19-Mortalität gemessen durch COVID-19-Todesfälle pro 100 000 Einwohner. Würde man die niedrige COVID-19-Mortalität in Schleswig-Holstein auf die gesamte Bundesrepublik übertragen, so würden sich 52 000 anstelle von 104 000 COVID-19-Todesfällen ergeben; übertrüge man die hohe COVID-19-Mortalität in Sachsen auf die gesamte Bundesrepublik, so erhielte man 232 000 anstelle von 104 000 COVID-19-Todesfällen. Die Unterschiede der COVID-19-Mortalität zwischen den Bundesländern werden aufgezeigt, es werden Hypothesen zur Ursachenerklärung formuliert und statistisch-methodische Vorüberlegungen für eine empirische Untersuchung präsentiert. [Version vom 8. Dezember 2021]
SH_C19MBL_08_12_2021.pdf
PDF-Dokument [276.8 KB]
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Letzte Änderung: 25. März 2023

Was ist die Übersterblichkeit?

 

Eine Begriffsklärung findet sich im Wikipedia-Artikel Übersterblichkeit. Die Übersterblichkeit heißt auch Exzess-Mortalität.

 

Zur Ermittlung der Übersterblichkeit werde die Sterbezahlen des aktuellen Jahres mit den Durchschnittsdaten mehrerer Vorjahre verglichen. Dabei überlagern sich verschiedene in ihrer Wirkung gegenläufige Ursachen, so dass der Rückschluss auf eine einzelne Ursache (z. B. Tod als Folge einer COVID-19-Erkrankung) schwierig ist. Wenn beispielsweise durch Infektionsschutzmaßnahmen und Kontaktreduzierung die Totenzahlen durch Grippe, Tuberkulose und weitere durch Tröpfcheninfektion übertragene Infektionen, sowie durch Verkehrsreduktion und ähnliche Effekte um 40 000 zurückgingen und gleichzeitig 50 000 zusätzlich an Corona stürben, dann wäre die erkennbare Übersterblichkeit 10 000. Ein direkter Rückschluss von der Übersterblichkeit auf die COVID-19-Mortalität ist daher nicht möglich.

 

Relativ kurzfristige Extremereignisse, beispielsweise extreme sommerliche Hitzewellen, können gut in der Übersterblichkeitsstatistik identifiziert werden.

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Letzte Überarbeitung: 30. April 2023

Wo finden sich Informationen zur Übersterblichkeit?

 

Das statistische Bundesamt führt Auswertungen zur Übersterblichkeit in Deutschland durch.

 

In der Übersterblichkeitsstatistik des statistischen Bundesamtes wird die Sterblichkeit des aktuellen Jahres mit der durchschnittlichen Sterblichkeit der fünf Vorjahre verglichen. Da im Jahr 2023 bereits drei der fünf Vorjahre solche mit erheblicher COVID-19-Sterblichkeit sind, ist dieses Konzept der Übersterblichkeit nicht mehr geeignet,  eine COVID-19-bedingte Übersterblichkeit zu erkennen.

 

Eurostat meldet wöchentliche Daten zur Übersterblichkeit für Europa. Dabei wird die aktuelle Sterblichkeit mit dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 verglichen. Bei diesem Vorgehen ist der Vergleichszeitraum noch nicht durch COVID-19-Todesfälle beeinflusst. 

 

Auf europäischer Ebene gibt es das Projekt European Mortality Monitoring (Euromomo), an dem sich aus Deutschland aber nur die Bundesländer Berlin und Hessen beteiligen.

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